Schatten der Tiefe - Francisco J. Viegas

Autor: Francisco J. Viegas

Reihe: Jaime Ramos / Filipe Castanheira Reihe

Verlag: Bastei Lübbe

ISBN: 978-3785715697

Seiten: 301 Seiten

Erscheinungsdatum:  2005

Format: Hardcover/nicht mehr lieferbar



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Inhalt:
1998: Weltausstellung in Lissabon, die ganze Stadt fiebert der Expo entgegen. Für die Stadt und das Land die Gelegenheit sich aus dem europäischen Schattendasein herauszuheben. Allerdings hat dabei Niemand an die Aufmerksamkeit durch den Fund von 3 Leichen auf dem Expo-Gelände gedacht.Nachdem Inspektor Ramos in seiner Heimatstadt Porto offensichtlich Mist gebaut hat, wurde er für 2 Monate  nach Lissabon versetzt. Schlimm genug, dass er es in der für ihn unsäglichen Stadt Lissabon aushalten muss,  steht er nun auch noch mächtig unter Druck, nachdem im Becken des Ozeanariums die nackte Leiche eines azorischen Biologen gefunden wird , welcher fachmännisch der kleine Zeh abgetrennt wurde - Unfall also ausgeschlossen. Als dann auch noch die Leichen zweier  Frauen gefunden werden glaubt Niemand mehr an einen Zufall. Während Ramos` Kollege Castanheira auf den Azoren ermittelt, taucht dort völlig überraschend eine Vierte Leiche auf. In welchem Zusammenhang die Leiche auf den Azoren mit den Expo-Morden steht ist zunächst unklar. Und wie passt die geheimnisvolle Fischart, von welcher der tote Meeresbiologe besessen schien, in dieses Bild?


Meinung:
Ich hatte mich sehr auf diesen Roman gefreut. Francisco J. Viegas gehört zu den beliebtesten Krimi-Autoren Portugals, und ich hatte "Schatten der Tiefe " schon lange in meinem Bücherregal stehen. Was gibt es Schöneres, als in einen Kriminalroman abzutauchen, der in der eigenen Lieblingsstadt spielt. Das dachte ich zumindest, bevor ich mit dem Lesen des Buches anfing.

Besonders gelungen ist die Figur des Jaime Ramos. Mit seinen Ecken und Kanten scheint er allem mehr Interesse entgegen zu bringen als dem Ermittlungsergebnis seiner Arbeit. Seine unverhohlene Abscheu gegen die Expo und die laute und dreckige Hauptstadt lässt er zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit erkennen. Und auch sein ganz spezieller Humor und seine unkonventionellen Methoden lockern den Roman auf und verschaffen  ihm sicherlich einige Sympathien beim Leser. 

Den Ausgangspunkt, Leichenfunde auf der Weltausstellung fand ich durchaus gelungen und Interessant, leider flacht die Handlung im Laufe des Romans immer mehr ab., und auch  den Spannungsaufbau empfand ich als ungenügend . Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, unbedingt weiterlesen zu müssen. Ich hatte permanent das Gefühl auf der Stelle zu treten. Ein ähnliches Gefühl dürfte Inspektor Ramos bei seinen Ermittlungen ebenfalls begleitet haben. Oftmals driftet der Autor während der Erzählung ab und versucht zwischen den Zeilen zu erzählen, was dem ganzen Roman zwar einen Hauch von Poesie verleiht, meiner Meinung nach aber den Stereo-Krimi-Leser überfordert.

Sehr ungewöhnlich bei diesem Roman ist die Terminologie. Viegas arbeitet zum einen  viel mit Rückblenden, andere Geschehnisse wiederum werden einfach vorweggenommen. So wird die chronologische Abfolge in jeder Hinsicht durcheinander gebracht.Ich kann mir nur vorstellen, dass der Autor damit ein gewisses Maß an Spannung schaffen wollte. Für den Lesefluss und Lesegenuss ist dies allerdings eher hinderlich gewesen, und hat bei mir auch zu einiger Verwirrung geführt und zu Unverständnis beigetragen. In Kombination mit einem Inspektor, der gedanklich immer wieder abschweift und deren Gedankengänge oftmals nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun haben, wie z.B. die Frage, welche Fußballmannschaft diesjähriger Meister wird, wirkt der ganze Roman sehr spröde. Leider kann auch das Ende des Romans nicht mit einer Überraschung aufwarten und ist eher unspektakulär.

Zusammenfassend kann ich nur sagen: Eine sympathischer Inspektor, eine bildhafte beinahe lyrische Sprache die leider in der Spannunglosen Handlung untergehen.


Bewertung:





Autor:
Francisco J. Viegas wurde 1962 in der Region Alto Douro geboren. Nach seinem Studium in Lissabon unterrichtete er einige Jahre lang Linguistik und Literatur an der Universität von Evora. Nach Tätigkeiten als Journalist und Literaturkritiker war er lange Chefredakteur eines Literaturmagazins und leitet aktuell die Zeitschrift Grande  Reportagem. Zunächst veröffentlichte er lyrische Bände und Reiseführer bevor er zum Krimi-Autor wurde. Nach einer zufälligen Unterhaltung in einer Lissabonner  Bar mit einem Polizeibeamten, welcher sich freiwillig vom portugiesischen Festland auf die Azoren versetzen lassen hat entstand die Idee zu seiner Figur Jaime Ramos.

Kommentare:

  1. Von diesem Buch hab ich vieles gehört aber entspricht nicht meine Erwartungen :)
    Toll beschrieben <3

    Liebst, http://dilanergul.blogspot.co.at/

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  2. Danke für deine ehrliche Review.

    Ich mag es auch nicht, wenn man so viel in der Zeit springt und dann auch noch Sachen vorenthalten bekommt. Irgendwann komm ich da nicht mehr mit, gerade wenn ich abends lese.

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  3. Endlich mal ein ehrliches Review. Auch wenn ich von dem Buch schon gehört habe, werde ich es hiernach wohl nicht lesen.

    Immer, wenn ich an Frauen und Weltausstellungen denke, kommt mir H. H. Holmes und sein Horrorhaus in Chicago in den Sinn...Amerikas erster Serienmörder baut ein schickes Hotel voll mit Falltüren, Geheimgängen etc. und nimmt alleinstehende Frauen darin auf. Den Rest kann man sich denken!

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